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Sternenkinder

Sternenkinder – zu früh gestorben

Oktober 9th, 2014

Interview mit Detlef Tappen, Pastoralreferent der katholischen Kirchengemeinde in Langenfeld,über die Beerdigung und Trauerfeier für Sternenkinder in Langenfeld.


Ein Kind in der Schwangerschaft oder während der Geburt zu verlieren, ist ein schlimme Erfahrung, die leider zu viele Eltern kennen. In Langenfeld gibt es auf dem katholischen Friedhof “Auf dem Sändchen” eine eigene Grabstelle für solche Sternenkinder. Dieser Ort der Trauer und des liebevollen Gedenkens, wenn die gute Hoffnung ein jähes Ende erfahren musste, wird regelmäßig zwei Mal im Jahr zum Ort der Zusammenkunft, wenn dort gleichzeitig mehrere Kinder beerdigt werden, die zu früh oder tot geboren wurden. Eine tröstliche Gelegenheit für deren Eltern, Geschwister und andere Angehörige und Freunde, sich nicht allein dem Leid stellen zu müssen.Am 21.Oktober 2014 wird um 15.30 Uhr – in ökumenischer Gemeinschaft der katholischen Pfarrgemeinde St. Josef und Martin und der evangelischen Kirchengemeinde Langenfeld – eine Trauer-feier für tot- und fehlgeborene Kinder auf dem katholischen Friedhof „Auf dem Sändchen“ gehalten. Im Anschluss daran folgt ihre Beerdigung.Die meisten dieser Sternenkinder sind im Richrather St.Martinus-Krankenhaus geboren worden. Eine erste Anlaufstelle, um Trost zu finden, ist dort für viele Betroffene die Krankenhauskapelle im St. Martinus-Krankenhaus. Dort liegt auf einem Ständer am Kerzenbaum vor der Marienstatue ein Buch aus, in das man Fürbitten, Gedanken und Danksagungen eintragen kann. Unter dem Datum vom 16. August 2014 findet sich dieser Eintrag betroffener Eltern:

 

„Lieber kleiner Lebensfunke,
vielen Dank, dass Du bei uns warst!
Dein Verlust bekümmert uns sehr,
aber Du hast uns auch Hoffnung gegeben.

Wir haben Dein Herz schlagen sehen,
doch Du warst nicht für diese Welt bestimmt.
Wir werden Dich vermissen,
aber wir freuen uns auch, dass es Dich gegeben hat.

Sternenkinder-Stele auf dem Friedhof “Auf dem Sändchen”, Langenfeld Foto: Cara Kanter 

 

 

Von katholischer Seite ist Detlef Tappen, Pastoralreferent, für die Sternenkinder und ihre Familien Ansprechpartner. Im folgenden Interview erklärt er die Hintergründe und den Ablauf der Trauerfeier und Beerdigung der Sternenkinder in Langenfeld.

Herr Tappen, seit wann gibt es die Trauerfeier für tot- und fehlgeborene Kinder in Langenfeld? Wie ist die Idee dazu entstanden?

Die Initiative geht auf die ehemalige Krankenhausseelsorgerin im St.Martinus-Krankenhaus, Frau Pastoralreferentin Judith Flanhardt, und den Chefarzt der gynäkologisch-geburtshilflichen Fachabtei-lung, Herrn Dr. med. Detlev Katzwinkel zurück.

Die Gottesdienste mit der Beerdigung der Sternenkinder finden seit etwa vier Jahren statt. Seit dieser Zeit gibt es auf dem katholischen Friedhof „Auf dem Sändchen“ eine eigene Grabstätte für fehl-und totgeborene Kinder. Diese ist durch den Träger des Friedhofs, die katholische Pfarrgemeinde St. Jo-sef und Martin, geschaffen worden und wird auch von der Pfarrgemeinde betreut und unterhalten. Vorher wurden Kinder, die im Langenfelder Krankenhaus fehlgeboren oder totgeboren wurden, in Solingen bestattet, zusammen mit Sternenkindern aus Solinger Krankenhäusern.

Wer leitet die Trauerfeier auf evangelischer Seite?

Aus dem Seelsorgeteam der evangelischen Kirchengemeinde Langenfeld hat sich Pfarrerin Angela Schiller-Meyer dieses Themas und der Aufgabe angenommen, die genau wie meine Frau und ich eigene Erfahrungen mit Tot-und Fehlgeburten hat.

Und Sie sind der Ansprechpartner für Sternenkinder und ihre Familien auf katholischer Seite? Auch außerhalb der Trauerfeier?

Ja, genau! Wie schon gesagt, ist mir das Erleben von Eltern , die ein Kind in der Schwangerschaft verloren haben, selbst nicht fremd. Wahrscheinlich wird der erste seelsorgliche Kontakt schon im Krankenhaus möglich sein, wo mein Kollege, der Pastoralreferent Robert Eiteneuer, als Krankenhausseelsorger präsent ist.

Was sagt die katholische Kirche über Kinder, die ungetauft gestorben sind? Haben Sie diesbezüglich ein paar tröstliche Worte für betroffene Eltern?

Vom Grundgedanken her, dass Gott Leben von Anfang an schenkt, wird er seine Beziehung auch zu Menschen, die vor der Geburt sterben, nicht zurückziehen. Wie genau diese Erfüllung aussieht, ent-zieht sich unserer Erfahrung, aber nicht unserem glaubenden Vertrauen. So wie die Sternenkinder ein Teil der Geschichte des Lebens Ihrer Eltern sind und wir ihrer liebend gedenken, dürfen wir auch von Gott glauben, dass er niemanden, den er ins Leben ruft, seine Liebe entzieht.Ich kann nur sagen, welcher Gedanke mir geholfen hat und hilft: Dass ich darauf vertraue, dass der Gott, der Beziehung will, indem er ins Leben ruft, diese Beziehung hält und durchträgt, was immer im Leben geschehen mag. Unabhängig davon, wie lange Leben dauert, schenkt er Erfüllung. Er bringt zusammen, was in unserer Wahrnehmung nicht zusammenpasst oder auseinanderfällt: Leben und Tod, Hoffnung und Enttäuschung, Anfang und Ende.

Wie ist der Ablauf der Trauerfeier und Beerdigung geplant? Was geschieht wann wo?

Friedhofskapelle “Auf dem Sändchen”, Langenfeld Foto: Cara Kanter

Es ist eigentlich der Weg einer normalen, etwas ausführlicher gestalteten Beisetzung mit Musik, Bi-belwort, Gebet und Ansprache. Die zum Gottesdienst Kommenden (alle Eltern werden über das Krankenhaus schriftlich eingeladen) werden zur aktiven Teilnahme ermutigt, etwa im Entzünden einer Kerze, dem Aufschreiben ihnen wichtiger Gedanken oder dem Namen ihres verstorbenen Kin-des. Das alles findet in der Friedhofskapelle statt, danach ist die gemeinsame Beisetzung auf dem besonderen Gräberfeld. Alle Sternenkinder werden in einem weißen Kindersarg gemeinsam bestattet.

Für wen wird die Trauerfeier ausgerichtet? An wen richtet sie sich? Können auch an-dere Sternenkinder-Familien die Trauerfeier besuchen?

Die Trauerfeier richtet sich an alle Betroffenen, so sind Hebammen, Krankenschwestern und Ärzte anwesend. Die ersten Adressaten sind natürlich die Eltern der Sternenkinder, aber oft kommen auch Geschwisterkinder, Großeltern oder FreundInnen der Eltern mit. Auch Mütter und Väter, deren un-glücklicher Verlauf der Schwangerschaft schon länger zurückliegt, können genauso gerne teilnehmen und sich erinnern, wie auch am Gräberfeld eine Ort zum Trauern finden.

Gibt es im Anschluss an die Trauerfeier noch ein Beisammensein der Eltern?

Nein, so ein Angebot gibt es bei uns nicht; das scheint mir auch nicht im Bedürfnis der Eltern zu lie-gen. Bei ihnen erlebe ich eher den Wunsch nach „allein oder zu zweit allein“ zu sein, um der Trauer und der Hoffnung eine ganz persönlichen Ausdruck zu geben.

Wieso haben Sie sich bei der Trauerfeier für einen Termin entschieden, der mitten in der Woche liegt? So ist es doch für arbeitende Eltern (insbesondere Väter) eher schwierig, teilzunehmen.

Dieser Termin kommt in Absprache vieler Beteiligter zustande. So eine einschneidende Erfahrung im Leben von Menschen wirft den Rhythmus sowieso durcheinander und da ist es gut, sich ausdrücklich Zeit zu nehmen, um die Bedeutung eines solchen Erlebnisses zu würdigen.

Wie lautet die genaue Adresse des katholischen Friedhofs? Und wo genau ist der Treffpunkt für alle, die gerne an dieser Trauerfeier teilnehmen möchten?

Ich weiß gar nicht, ob der Friedhof eine besondere Adresse hat; er ist in der Stadt als Friedhof „Auf dem Sändchen“ (so heißt die Straße, an der er liegt) bekannt, direkt neben dem Konrad-Adenauer-Gymnasium, und die Friedhofskapelle ist gar nicht zu übersehen als einziges Gebäude auf dem Friedhof. Dort werden die GottesdienstbesucherInnen von den SeelsorgerInnen persönlich begrüßt.

Wissen Sie von dem am Samstag darauf (25.10.2014) folgenden ökumenischen Trauergottesdienst für Sternenkinder in Köln? Dieser wird organisiert von der Initiative  “Zu früh gestorben”, einem Gesprächskreis für Eltern, die ihr Kind durch Fehlgeburt, Totgeburt, medizinisch indizierten Schwangerschaftsabbruch oder unmittelbar nach der Geburt verloren haben. Dort können die Familien im Anschluss an die Trauerfeier (Beginn 17 Uhr) in der Krypta der katholischen Kirche St. Maria im Kapitol noch im Gemeindesaal bei Kaffee & Kuchen beieinandersitzen und sich austauschen. Auch Familien, die den Verlust schon vor einiger Zeit erlebt haben.

Nein, davon wusste ich bis jetzt nicht. Wir richten uns ja an die gleichen Zielgruppen, wobei eben die betroffenen Familien schriftlich eingeladen werden, die mit dem Martinus-Krankenhaus zu tun hatten.Die Veröffentlichung in der lokalen Presse und in kirchlichen Mitteilungsorganen (Pfarrnachrichten, Gemeindebrief, Internetauftritte der beiden großen Kirchen in Langenfeld) öffnen die Trauerfeier auch für Betroffene, deren Verlust schon länger zurückliegt und die entweder gar keine Möglichkeit zu einer Bestattung hatten, so wie das vor zehn Jahren noch üblich war, oder die sich „zu ihrer Zeit“ noch nicht für eine Trauerfeier entscheiden konnten. Ich freue mich auch sehr darüber, dass immer VertreterInnen aus den Leitungsgremien der katholischen Pfarrgemeinde teilnehmen, die ja Träger und Initiatoren dieser Grabstelle sind; so wird auch damit eine Solidarität und das gemeinsame Gebet der Christen in unserer Stadt für betroffene Frauen und Männer sichtbar.

Kennen Sie in Langenfeld und Umgebung weitere Angebote und Möglichkeiten, wo sich Sternenkind-Familien austauschen und Trost finden können?

Sicher sind wir katholische und evangelische Seelsorgerinnen und Seelsorger gute Ansprechpartner, dazu finden Sie die Kontaktdaten auf den jeweiligen Homepages der Gemeinden www.kklangenfeld.de und Evangelische Kirchengemeinde Langenfeld. Wenn Austausch über Trauerwege von Betroffenen gewünscht wird, kenne ich in Langenfeld keine Gruppe, würde mich aber in Düsseldorf, Leverkusen, Wuppertal oder Köln umhören.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Tappen.

Interview & Fotos: Cara Kanter, freiberufliche Online-Journalistin

 

Weitere Informationen und Begleitung gibt es bei
Pastoralreferent Detlef Tappen,
0177/2438600 oder
detlef.tappen@kklangenfeld.de und auf der Website der katholischen Kirchengemeinde Langenfeld.


 

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